Häufig gestellte Fragen und unsere Antworten

Wer entscheidet eigentlich, dass ein Kind aus seiner Ursprungsfamilie herausgenommen wird? Wer Pate oder Pflegefamilie werden möchte, stellt sich viele Fragen. Hier finden Sie Antworten auf die häufigsten Fragen.

Wie kommt ein Kind in eine Pflegefamilie?

Das ist gesetzlich genau geregelt. Im Dekret über die Jugendhilfe vom 19. Mai 2008 heißt es „Jugendliche dürfen … nur in begründeten Fällen und im Rahmen einer nachprüfbaren Entscheidung … zu ihrem Wohl von den Eltern getrennt werden“ (Art. 4 § 2). Zuständig ist zunächst der Jugendhilfedienst. Wenn der entscheidet, dass ein Kind in einer Pflegefamilie untergebracht wird, so geschieht dies in Zusammenarbeit mit der Herkunftsfamilie. Wenn jedoch eine akute Gefahr für das Kind besteht oder eine weitere Zusammenarbeit mit der Familie nicht möglich ist, übernimmt die Staatsanwaltschaft den Fall. Der Jugendrichter sichtet die Akten, die Sozialberichte und eventuelle Ermittlungsberichte der Staatsanwaltschaft. Beschließt er dann, ein Kind in einer Pflegefamilie unterzubringen, ist die Arbeit des Dienstes häufig schwieriger: Keine Mutter und keinem Vater fällt es leicht, sein Kind in die Obhut einer anderen Familie geben zu müssen.

Was entscheidet der Jugendrichter?

Normalerweise hört der Jugendrichter alle Betroffenen an. Bei Dringlichkeit hat allerdings der Schutz des Kindes Vorrang vor dem Recht der Eltern auf Information. Wenn der Jugendrichter eine Unterbringung in einer Pflegefamilie anordnet, sind das meist erst mal sechs Monate. Nach dieser Zeit bewertet der Jugendrichter die Unterbringung erneut. Wenn nach einem Jahr die Ursprungsfamilie weiterhin nicht ausreichend für die seelische, geistige und körperliche Entwicklung des Kindes sorgen kann, kann der Jugendrichter eine Unterbringung für mehrere Jahre anordnen. In jedem Urteil wird festgehalten, ob Mutter und/oder Vater ein Besuchsrecht erhalten. Der Pflegefamiliendienst, der die Wichtigkeit dieser begleitenden Besuchskontakte betont, ist mit der Umsetzung des Besuchsrechts beauftragt.

Und das Pflegegeld? Können Familien damit ihr Einkommen aufbessern?

Nein, die Familien erhalten eine gesetzlich festgelegte Kostenerstattung für den Unterhalt des Kindes. Außerdem werden den Familien besondere Auslagen erstattet, beispielsweise für Arztbesuche oder eine therapeutische Behandlung. Geld verdienen kann man mit einer Pflegschaft also nicht. Es handelt sich hier um ein Engagement aller Familienmitglieder - rund um die Uhr.

Was ist der Unterschied zu einer Adoption?

Adoptiveltern haben denselben Status wie leibliche Eltern. Pflegeeltern sind Erziehungsberechtigte, also vor allem verantwortlich für die Alltagsentscheidungen. Zum Beispiel bei Operationen müssen die leiblichen Eltern zustimmen.
Pflegeeltern sollten bereit sein, das Kind dabei zu unterstützen mit seiner Herkunftsfamilie in Kontakt zu bleiben. Und es kann sein, dass das Kind irgendwann wieder zu seiner Familie zurückkehrt. Wer mehr wissen möchte über Voraussetzungen und die Vorbereitung von Pflegefamilien siehe "Artikel".