TV-Sendung Fit & Gesund, Februar 2002
Allergien der Atemwege
Was ist eine "Allergie" genau?
Der Name kommt wie viele medizinische Ausdrücke aus dem Griechischen: "allos" bedeutet "anders" und "ergon" im eigentlichen Sinne "Verrichtung".
Das Wort "Allergie" bedeutet also ungefähr "andere Reaktion". Genau dies geschieht bei einer Allergie: der Körper reagiert plötzlich in übertriebenem Maße auf Stoffe, die eigentlich ganz harmlos sind; er benimmt sich, als ob er gegen einen gefährlichen Eindringling zu kämpfen hätte.
Was sind das für Stoffe?
Ganz verschiedene. Es können Blütenpollen sein, Metall, Staub, Tierhaare, gewisse Nahrungsmittel, Kosmetika, Chemikalien... Dies sind die häufigsten Allergieauslöser. Auch Medikamente oder Duftstoffe können eine Allergie auslösen.
Wie kommt es zu einer Allergie?
Beim Kontakt mit diesen Stoffen, also wenn diese mit der Haut, den Atemwegen oder den Verdauungswegen in Berührung kommen, kommt es bei manchen Menschen zur Bildung von sogenannten Antikörpern. Dies ist eine natürliche Reaktion des Körpers, die dieser normalerweise einsetzt, um sich gegen Krankheitserreger zur Wehr zu setzen. Eine Person, die eine Allergie entwickelt, bildet die Antikörper auch gegen eine oder mehrere an sich harmlose Substanzen. Je häufiger diese Person in Kontakt mit diesem Allergieauslöser kommt, desto mehr Antikörper werden gebildet. Dieser Vorgang kann sehr lange dauern und wird "Sensibilisierung" genannt.
Eine Allergie entsteht daher NIE beim ersten Kontakt mit einer Substanz, weil dann ja noch keine Antikörper gebildet worden sein können.
Die bekannteste Allergie ist wohl der Heuschnupfen. Hat der denn tatsächlich etwas mit dem Heu zu tun?
Der sogenannte Heuschnupfen ist eine allergische Reaktion, aber nicht auf Heu, sondern auf Blütenpollen. Das kann Pollen von Bäumen, Gräsern oder Kräutern sein - und deshalb je nachdem, auf welche Pflanzen man allergisch reagiert, zu verschiedenen Jahreszeiten auftreten.
Unsere Atemwege sind mit einer Schleimhaut ausgekleidet, die allergisch reagieren kann. Diese Reaktion beginnt meist mit Juckreiz und "Kribbeln" von Augen, Nase und Hals, gefolgt von Schnupfen und Niesattacken. Oft kommt eine Reizung der Bindehaut hinzu (gerötete Augen), manchmal auch Asthma bronchiale oder Nesselfieber.
Werden Allergien auf der Ebene der Atemwege von Substanzen hervorgerufen, die man einatmet?
Nein. Auch Nahrungsmittel können z.B. einen allergischen Asthma-Anfall hervorrufen. Allergien äußern sich in vielfältiger Form und nicht unbedingt an der Stelle, an der wir es erwarten.
Die Allergie tritt in der Regel an einer Stelle auf, an der der Betroffene besonders empfindlich ist: sind das eben beipielsweise die Bronchien, kann auch eine Medikamenten- oder Nahrungsmittelallergie sich in Form von Asthma äußern.
Allerdings werden gerade allergische Reaktionen der Atemwege oft durch Substanzen hervorgerufen, die eingeatmet werden. Neben den Blütenpollen sind die häufigsten Auslöser Hausstaubmilben oder Tierhaare.
Wie kann es nun sein, dass ein Mensch allergisch gegen Hunde ist, aber nicht gegen Katzen beispielsweise?
Das hängt mit den gebildeten Antikörpern zusammen. Antikörper, die der Körper gegen eine bestimmte Substanz bildet, sind ganz spezifisch. Man kann sich das verdeutlichen, indem man das System Antigen-Antikörper vergleicht mit einem Schlüsselloch.
Der Stoff, der in den Körper eindringt, also meist ein Krankheitserreger oder, wie im Fall einer Allergie, der allergieauslösende Stoff, ist quasi das Schlüsselloch. Der Körper bildet nun ganz genau dazu passende Antikörper, die dazu passen, wie ein Schlüssel zum Schlüsselloch.
Auf einen ganz anderen Stoff, der ein ganz unterschiedliches Schlüsselloch hat, passt dieser Schlüssel dann nicht und löst deshalb keine Reaktion aus.
Nun gibt es aber Substanzen, die sich sehr ähnlich sind, deren "Schlüssellöcher" sich also sehr gleichen. In diesem Fall passt dann der gleiche Schlüssel, also der Antikörper. Der Betroffene reagiert dann allergisch auf mehrere Substanzen. Er hat eine sogenannte Kreuzallergie. Man kennt dies z.B. für Medikamente mit ähnlicher Struktur, oder auch für Tierallergien: wer gegen Katzen allergisch ist, wird meist auch auf Raubkatzen allergisch reagieren.
Können Allergien richtig gefährlich sein?
Ist die allergische Reaktion sehr stark, kann es zum sogenannten "anaphylaktischen Schock" kommen. Es handelt sich hier um eine akute Schockreaktion, mit Kreislaufversagen, und in extremen Fällen auch Herz- und Atemstillstand. Dies ist glücklicherweise selten.
Aber auch weniger schwere Fälle beeinträchtigen die Betroffenen:
allergische Reaktionen sind meist unangenehm und dadurch auf Dauer schwer zu ertragen. Außerdem hat derjenige, der z.B. unter allergischem Asthma leidet, häufig Schwierigkeiten, richtig durchzuatmen. Dies beeinträchtigt beim Sport und im Beruf und kann sogar zu dauerhafter Arbeitsunfähigkeit führen.
Beim allergischen Asthma verengen sich die Bronchien; dadurch kommt es zu der Atemnot.
Asthmatiker haben in der Regel sehr empfindliche Bronchien, die dann auch schon auf andere Reizstoffe reagieren, z.B. auf Tabakrauch. Auch dies kann sie in ihrer Lebensqualität stark einschränken.
Wie lässt eine Allergie sich behandeln?
Die einzige dauerhafte Heilung besteht darin, das Allergen, also den Auslöser der Allergie konsequent zu meiden. Dies ist aber nicht immer möglich. Medikamente können die Beschwerden einer Allergie lindern, aber selten komplett beseitigen.
Manchmal lohnt es sich, eine Desensibilisierungsbehandlung durchzuführen. Dabei wird der Patient mit steigenden Dosen des allergieauslösenden Stoffes in Kontakt gebracht. Hierdurch kann man erreichen, dass der Körper unempfindlicher wird gegen das Allergen.
In der Regel verlagert sich aber die Allergie dann auf eine andere Substanz. Dies kann natürlich helfen, wenn der ursprüngliche Allergieauslöser nur schwer zu vermeiden ist.
Kann man etwas tun, um der Allergie vorzubeugen, sie also erst gar nicht entstehen zu lassen?
Wie es dazu kommt, dass ein Mensch allergisch wird und der andere nicht, weiß man immer noch nicht genau. Eine gewisse Vererbung scheint allerdings im Spiel zu sein: sind die Eltern allergisch, haben auch die Kinder ein höheres Risiko, eine Allergie zu entwickeln, wenn auch nicht unbedingt gegen die gleiche Substanz. Es gibt ein paar Dinge, die vorbeugen helfen können:
- Zunächst wäre dazu zu sagen, dass gestillte Kinder weniger von Allergien betroffen sind als Flaschenkinder. Besteht also in der Familie eine Veranlagung zu Allergien, sollten Kinder möglichst gestillt werden.
- Außerdem ist es günstig, die Kinder so spät wie möglich mit allergieauslösenden Stoffen in Kontakt zu bringen, also auch mit der Beikost später zu beginnen und den Kontakt mit besonders allergiefördernden Substanzen möglichst lange hinauszuzögern. Dazu zählen bestimmte Lebensmittel wie Eier, Fisch, Nüsse, Zitrusfrüchte, Erdbeeren, Tomaten, Sesam und Sonnenblumenkerne, aber auch Naturstoffe wie Wolle und Federn.
- Für allergiegefährdete Kinder empfiehlt sich Bettzeug aus Kunstfasern, weil diese das Wachstum von Milben weniger begünstigen.
In der Nähe der Kinder sollte auf keinen Fall geraucht werden; außerdem sollte man regelmäßig lüften.