TV-Sendung Fit & Gesund, Februar 2002
Allergische Reaktionen der Haut
Auch die Haut kann allergisch reagieren.
Die bekannteste Form der allergischen Reaktion ist die Urtikaria (Nesselsucht oder Nesselfieber). Dabei bilden sich auf der Haut Quaddeln, also ein roter Hautausschlag, der stark juckt. Der Hautausschlag kann überall am Körper auftreten, manchmal auch wandern. Nesselfieber ist meist allergisch bedingt, kann aber auch durch Sonnenlicht, Wärme oder Druck entstehen. In diesem Fall hat es natürlich nichts mit einer Allergie zu tun.
Auch hier gilt, dass nicht jede Reaktion oder Unverträglichkeit eine Allergie ist.
Eine Allergie entsteht nie beim ersten Kontakt mit einer Substanz. Es muss zunächst eine Sensibilisierung stattgefunden haben, d.h. der Körper muss zunächst Antikörper bilden, bevor es zu einer allergischen Reaktion kommen kann.
Nun ist eine solche Reaktion der Haut mit Juckreiz sicherlich nicht angenehm. Aber wie gefährlich ist sie?
Auch hier kann es in -glücklicherweise- seltenen Fällen zu einer sehr starken Reaktion kommen.
Es gibt übrigens eine Sonderform der Nesselsucht, die man Quincke-Ödem nennt. Dabei schwillt das ganze Gesicht der Betroffenen an, besonders die Lippen und Augenlider. Manchmal sind auch die Schleimhäute oder andere Körperpartien betroffen. Hier findet sich anstelle des Juckreizes ein brennendes oder schmerzhaftes Gefühl.
Zählt die Neurodermitis zu den allergischen Erkrankungen?
Sie wird hinzu gezählt. Neurodermitiker neigen in der Regel auch zu Heuschnupfen und Asthma. Allerdings ist die Neurodermitis eine komplexe Erkrankung, die genetisch mitbedingt ist und deren Ursachen sehr vielfältig sind. Die Neurodermitis wird in der Regel nicht durch einen direkten Kontakt mit der auslösenden Substanz hervorgerufen.
Welche sind die häufigsten Auslöser einer allergischen Hautreaktion?
Eine Allergie äußert sich nicht unbedingt an der Stelle, an der ein Kontakt mit dem Allergieverursacher stattgefunden hat. So kann eine allergische Hautreaktion durchaus von eingenommenen Medikamenten herrühren, z.B. äußert sich eine Penicillin- oder Nahrungsmittel-Allergie oft durch Nesselfieber.
Eine Sonderform ist das allergische Kontaktekzem. Hierbei erscheint die Allergie dort, wo sich der Auslöser in direktem Kontakt mit der Haut befunden hat. Deshalb ist es meist auf kleinere Hautpartien begrenzt. Der häufigste Auslöser für ein Kontaktekzem ist Nickel, ein Metall, das z.B. in Modeschmuck, Gürtelschnallen, Bestecken oder auch Zement vorkommt. Aber auch Inhaltsstoffe von Gummi oder Konservierungsstoffe sind häufige Kontaktallergene.
Wie kann ich herausfinden, wogegen ich allergisch bin?
Das ist oft recht schwierig. Wenn der Patient keine Ahnung hat, wogegen er plötzlich allergisch geworden ist, muss der Arzt eine Reihe von Tests veranlassen.
Es gibt verschiedene Methoden.
Am häufigsten wird der sogenannte Prick-Test eingesetzt. Dabei werden die Substanzen, die man im Verdacht hat, an verschiedenen Stellen auf die Haut des Unterarms gegeben. Mit einer Nadel werden dann an diesen Stellen winzige Kratzer in die Haut gemacht. So dringt eine ganz kleine Menge der Substanzen in die Haut ein. An der Stelle, an der sich dann eine Rötung zeigt, ist der Test positiv für die dort aufgetragene Substanz. Ähnlich verläuft der "Epikutantest": die Substanzen werden mit einem Pflaster auf den Rücken geklebt und bleibt in der Regel 1 - 2 Tage dort. Nach dem Ablösen der Pflaster zeigt sich eine Hautreaktion dort, wo sich der allergieauslösende Stoff befunden hat; die anderen Stellen bleiben negativ.
Allerdings funktionieren diese Tests vor allem für Kontaktallergie- Auslöser und zeigen nicht unbedingt eine eindeutige Reaktion, vor allem für die anderen Allergietypen.
Wie kann noch getestet werden, bei allergischem Asthma beispielsweise?
Vor allem bei dieser Allergieform wird der sogenannte Inhalationstest verwendet. Wird z.B. eine Allergie gegen Schimmelpilze vermutet, wird beim Test eine genau definierte Menge von Schimmelpilzen eingeatmet. Kommt es dann zu einer allergischen Reaktion, kann man so gleich auch sehen, in welchem Maße das Allergen die Bronchien verengt. So wird in der Regel auch getestet, ob z.B. ein Bäcker gegen ein bestimmtes Getreidemehl allergisch ist.
Wenn die Allergie sehr stark ausgeprägt ist, kann es bei dieser Testmethode zu schwerer Atemnot kommen. Deshalb werden solche Tests auch unter strenger ärztlicher Aufsicht durchgeführt.
Gibt es keine anderen, risikoloseren Verfahren?
In der Regel wird mit diesen Tests begonnen, denn sie sind recht einfach durchzuführen. Sind die Ergebnisse aber nicht eindeutig, kann man versuchen, die Allergie im Blut nachzuweisen. Dies ist aber sehr aufwändig, denn dabei wird versucht, die Antikörper gegen die verdächtigen Substanzen im Blut nachzuweisen.
Wie alle anderen Tests auch ist aber auch dieser Bluttest nicht hundertprozentig sicher und muss deshalb vorsichtig interpretiert werden.
Woran liegt es, dass Allergien so schwer nachzuweisen sind?
Das liegt daran, dass unser Körper ein sehr komplexes Gebilde ist. Er ist nicht jeden Tag in der gleichen Tagesform und kann deshalb an einem Tag einfach anders reagieren als am nächsten. Ein Hauptproblem besteht aber darin, dass es nicht unbedingt die Substanz im Urzustand sein muss, die die Allergie verursacht. Es kann auch ein Abbauprodukt sein, das im Körper entsteht. Und deren gibt es für jede Substanz sehr viele unterschiedliche.
Ein Beispiel: wenn ich ein Medikament einnehme, entstehen durch den Körperstoffwechsel daraus einige, ganz verschiedene Substanzen. Und es kann durchaus eines dieser Abbauprodukte sein, das die Allergie verursacht. Das Abbauprodukt entsteht aber nicht, wenn ich das Medikament auf die Haut gebe, um den Test zu machen. Die Reaktion wird also negativ sein.
Eine weit verbreitete Ansicht ist, dass die chemischen Substanzen, denen man im modernen Leben alltäglich begegnet, für die Allergien verantwortlich sind. Stimmt das oder handelt es sich hier um ein Vorurteil?
Es ist in der Tat so, dass viele chemische Substanzen Allergien auslösen können. Denken wir nur an die Parfüm- und Farbstoffe, aber auch an Konservierungsstoffe, oder Medikamente.
Auf der anderen Seite finden wir sehr viele Allergien gegen Hausstaubmilben, Pollen, Tierhaare und Nahrungsmittel wie Getreide oder Nüsse- alles Substanzen, die in der Natur vorkommen und schon immer da waren. Es gibt auch Menschen, die gegen Kamille allergisch sind und z.B. keinen Kamillentee vertragen. Auch Latex ist ein häufiger Auslöser für eine Allergie, obwohl Latex ein reines Naturprodukt ist. Man kann also nicht nur die "chemischen" Substanzen für Allergien verantwortlich machen, das wäre zu einfach.