TV-Sendung Fit & Gesund, Juni 2002
Ein Sommer ohne Sorgen - Tipps für einen unbeschwerten Urlaub
Erholsames Reisen, egal wohin, wie lange und wie , beginnt bereits mit einer sorgfältigen Planung.
Reiseprofis planen ihren Urlaub sorgfältig, damit der Urlaub kein Reinfall wird. Das gibt Sicherheit und die Vorfreude macht auch Spaß.
Neben den klimatischen sind bei Reisen nach Asien, Afrika, Mittel- und Südamerika vor allem medizinische und hygienische Fragen, z.B. der Impfschutz, von Bedeutung.
Dies kann natürlich nur bei rechtzeitig vorbereiteten Reisen geplant werden. Bei Last-Minute-Reisen ist eine sorgfältige Vorbereitung kaum möglich.
Manche Ziele kommen dann wegen eines fehlenden oder zu spät einsetzenden Impfschutzes nicht mehr in Frage.
Reisen in die Subtropen oder Tropen (also in extreme Klimazonen) sollten generell nur bei guter Gesundheit gemacht werden.
Kann man auch vom Arbeitsstress in den Urlaubsstress geraten?
Auch in Europa kann Reisen sehr anstrengend sein.
Dann z.B., wenn man in der heißesten Zeit des Jahres im Süden der Mittelmehrländer Urlaub macht.
Oder wenn man unmittelbar aus dem Arbeitsstress direkt in den Urlaubsstress wechselt, weil man sich vielleicht ein zu umfangreiches Programm vornimmt.
Oder weil man in seinem Urlaub den ganzen Sport, den man eigentlich schon immer treiben wollte, auf einmal nachholen will. Oder weil man über Nacht unbedingt sein Urlaubsziel erreichen will. So etwas kann schief gehen!
Kann auch die Jahreszeit eine krankheitsauslösende Rolle spielen?
Klimatisch ist der Urlaub in den Ländern rund um das Mittelmeer im Frühjahr, Herbst und Winter normalerweise unproblematisch. Ab Ende Mai aber können die hohen Sommertemperaturen vor allem ältere Menschen und nicht ganz Gesunde belasten.
In den Subtropen oder Tropen erschwert die hohe Luftfeuchtigkeit die Temperaturregelung des Körpers durch das Schwitzen und belastet dadurch Herz und Kreislauf.
Hat man Probleme mit dem Kreislauf, sollte man jedenfalls seinen Arzt konsultieren.
Für alle südlichen, subtropischen und tropischen Länder gilt: Je geringer die Luftfeuchtigkeit, desto leichter lässt sich die Hitze ertragen.
Wie sieht es denn generell mit Schutzimpfungen aus?
Impfschutz gegen Kinderlähmung (Poliomyelitis), Wundstarrkrampf (Tetanus) und Diphtherie sollte jeder haben - nicht nur für Reisen in die Tropen.
Aber ohne Impfschutz und Schutz vor Malaria in die Subtropen oder Tropen zu reisen, ist wirklich unverantwortlich- lebenslängliche Schädigungen der Gesundheit und manchmal der Tod können die Folge sein.
Je einfacher (oder, wenn man so will: primitiver) der Reisestil ist, desto wichtiger wird der Schutz vor Malaria, Hepatitis A und B, Kinderlähmung, Typhus, Diphtherie, Tetanus, und Cholera.
Das Reiseziel und der Reisestil bestimmen den notwendigen Schutz. Sprechen Sie rechtzeitig vor Antritt der Reise (spätestens 3 Monate ) mit Ihrem Arzt über die notwendigen Impfungen.
Wie sieht es mit der Malaria-Vorbeugung aus?
Die Gefahr, die von Malaria ausgeht, wird häufig unterschätzt. Diese ernste und sogar tödliche Krankheit ist die am weitesten verbreitete Tropenkrankheit.
Und die Krankheit ist wieder auf dem Vormarsch. Auch in Europa wächst die Zahl der importierten Malaria-Erkrankungen: Betroffen sind vor allem Touristen, die den Schutz vernachlässigt haben. Eine Vorbeugung ist dringend notwendig, wenn man in subtropische oder tropische Länder reist.
Abends, in der Dämmerung und nachts, wird die weibliche Anophelesmücke aktiv und sucht Nahrung. Durch den Speichel ihres Stechrüssels werden die Erreger übertragen. Symptome treten 8 bis 12 Tage nach der Infizierung auf: es kommt zu Kopf- und Gliederschmerzen, Durchfall, hohem Fieber in unterschiedlichen Abständen über mehrere Tage bis 40 - 41 Grad, Schüttelfrost, Übelkeit, Erbrechen, Benommenheit, Krämpfen.
Bei der schwersten Form der Malaria (der sogenannten "malaria tropica") kommt es neben einer Schwellung der Leber und Milz zu einer Schädigung lebenswichtiger Organe wie Gehirn, Nieren, Herz, Lunge. Diese Form der Malaria verläuft oft nach wenigen Tagen tödlich.
Bei Fieber und unklaren Beschwerden nach der Rückkehr aus den Tropen sollte man sich so schnell wie möglich in ärztliche Behandlung begeben.
Sollten Patienten, die gesundheitliche Probleme haben oder in regelmäßig Behandlung, sind ganz spezielle Vorkehrungen treffen?
Chronisch Kranke sollten vor jeder Reise ausrechnen, wie groß die Menge ihrer mitzuführenden Medikamente sein wird. Denn diese sind am Urlaubsort nicht immer erhältlich.
Eine Bescheinigung ist vom Hausarzt notwendig, wenn man Spritzen mitnehmen muss, z.B. als Zuckerkranker, damit Zoll oder Polizei den Reisenden nicht für einen Drogenabhängigen halten.
Einige Vorschläge für die ideale Reiseapotheke?
Die ideale Reiseapotheke ist natürlich die, die man nicht braucht.
Aber Mittel gegen Reisekrankheit, Magenverstimmung, Durchfall oder Verstopfung, Kopfschmerzen und Fieber, Insektenstiche und Sonnenbrand, Allergien, Prellungen oder Verstauchungen sollte man dabei haben.
Unbedingt auch Material zur Wundversorgung: Hautdesinfektions- und Wundheilmittel, Heftpflaster und Verbandsmaterial sowie elastische Binden.
Außerdem Sonnenschutzmittel, wasserfest und mit hohem Lichtschutzfaktor, insektenabweisende Mittel, Lippenpflegemittel (bes. bei Winterreisen in die Berge).
Eine Reiseapotheke ist jedoch kein Ersatz für den Arztbesuch bei anhaltenden Beschwerden.
Und wie ist es mit leckeren Buffets im Hotel, frischem Obst an der Strasse oder einfach nur dem schnellen Schluck aus dem Wasserhahn in tropischen Ländern ?
Droht da nicht "Montezumas Rache"?
Nach wie vor gehören Durchfallerkrankungen zu den häufigsten und gefährlichsten Reisebegleitern. Gerade für ältere Menschen, Personen mit Herz-Kreislauf-Problemen und Kinder kann die gestörte Verdauung nicht nur zum Reisehorror, sondern auch zu einer ernsten Gesundheitsgefahr werden. Darum Hände weg von Salat, Eiswürfeln und Speiseeis. Am besten nur gekochtes Gemüse und Früchte nur essen, die man selber schält.
Die Getränkeflaschen sollte man sich erst am Tisch öffnen lassen.
Erfahrene Reisende beachten die Regel: "peel it, boil it, cook it or forget it" was soviel heißt wie: schäl' es, koch' es oder vergiss es!
Müssen Personen mit Krampfaderleiden besonders auf gewisse Dinge achten?
Ob im Flugzeug, Zug, Bus oder Auto: Viele Stunden in nahezu unveränderter Position auf einem Platz zu sitzen kann nicht nur die Reise zur Qual machen, sondern ist obendrein, besonders für Personen mit Krampfadern, eine große Gefahr.
Es kann zum Venenstau kommen, das Blut verdickt und so kann ein Blutpfropfen entstehen. Gelangt dieser mit dem Blutstrom ins Herz und dann in die Lunge und verstopft dort eine der lebenswichtigen Adern, kann dies zum Tod führen.
Ursachen für den Blutstau sind: Bewegungsmangel, das Abknicken der Venen in der Kniekehle durch langes, unbewegliches Sitzen, eingeklemmte oder auch übereinander geschlagene Beine, niedriger Luftdruck und Flüssigkeitsverlust durch verringerte Luftfeuchtigkeit.
Darum ist regelmäßige Bewegung angesagt.
Einige Tipps zum Vorbeugen diesbezüglich?
Vor und während eines längeren Fluges ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen, aber keinen Alkohol.
Wer schon unter normalen Umständen Venenprobleme hat, sollte während des Fluges Stützstrümpfe tragen.
Warnzeichen einer Reisethrombose sind: eine Beinschwellung, Schmerzen beim Gehen, unklare Atemnot, Husten, oder Brustschmerzen während oder im Anschluss an eine längere Reise.
Bei solchen Symptomen sollte man unbedingt einen Arzt konsultieren und ihn über die Reise informieren.