TV-Sendung Fit & Gesund, Dezember 2001
Gesund an Körper und Seele - Fragen & Antworten
In dieser Sendung ging es, wie stets in der letzten Sendung des Monats, um die Beantwortung der eingesandten Zuschauerfragen.
Die meisten Fragen betrafen die erste Sendung, bei der es um "Stress ist nicht gleich Stress" ging.
- Welche Personen besonders anfällig sind für den negativen Stress?
Es gibt in der Tat Personen, die besonders gefährdet sind- was natürlich nicht heißen muss, dass sie auch tatsächlich krank werden. Das betrifft z.B.
- Personen, die sehr an sich nagen, sehr große Selbstzweifel haben, weil sie dazu neigen, sich immer wieder an die Grenze der Überforderung zu bringen
- Menschen, die sich ständig überfordern, weil sie sich z.B. bei dem Wunsch nach beruflichem Aufstieg zuviel zumuten
- Menschen, die zuwenig Bewegung haben, und also kein Ventil zum "Dampfablassen", die sich keine Zeit nehmen für gesunde Ernährung, Entspannung, Freunde, Lachen... reservieren
Also alle Personen, die für zuwenig Ausgleich sorgen.
- Kann man denn durch zuviel Stress frühzeitig altern?
Ja, durchaus. Sowohl Stress Unterforderung als auch Stress durch extreme andauernde Belastung lassen den Menschen schneller altern. Besonders die Arterien leiden auf Grund einer häufigen Hypertonie (also Bluthochdruck) und die Drüsen, also das Hormonsystem, erschöpfen sich anscheinend eher bei gehäuften schweren Belastungen.
- Was kann man denn vorbeugend gegen Stress tun?
Das hängt stark von der einzelnen Person ab. Generell kann man sagen, zunächst herausfinden, wo die vernünftige Grenze zwischen Unterforderung und Überforderung für einen ganz persönlich liegt. Dann überlegen, was einen besonders stresst, und ob man daran etwas ändern kann. Meist ist das mit ein bisschen Phantasie machbar. Und schließlich sollte man ganz bewusst Entspannung einplanen: vielleicht ein wenig Joga, oder auch Gymnastik, ein Hobby pflegen. Man kann auch natürliche Aromen nutzen: bestimmte Duftöle wirken, im Badewasser oder in der Duftlampe verbrannt, oft Wunder. Allerdings hilft das allein nicht weiter, wenn die eigentliche Stresssituation nicht aktiv angegangen wird.
- Was versteht man unter psychosomatischen Krankheiten?
Das Wort psychosomatisch beinhaltet "psycho", also "seelisch" , und "soma", das ist das griechische Wort für Körper. Die Psychosomatik ist die Bezeichnung für die Wechselwirkung von Körper und Seele. Es gibt eine Reihe von Krankheiten, für deren Auslösung oder auch Verschlimmerung direkt psychische Konflikte verantwortlich gemacht werden. Dies gilt z.B. für Asthma bronchiale, Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa, Zwölffingerdarmgeschwüre, Magersucht und Bulimie sowie allergische Hauterkrankungen.
Bei diesen Krankheiten gibt es auch organische Veränderungen, im Gegensatz zu vielen Befindungs- und Funktionsstörungen, die auch psychischen Ursprungs sind, wie der Reizmagen, das Reizkolon, oder migräneartige Kopfschmerzen.
Bei diesen Krankheiten ist eine kombinierte medizinische und psychotherapeutische Behandlung erforderlich.
- Was versteht man unter dem Begriff "Mobbing"?
Der Begriff leitet sich vom englischen "to mob" ab, was soviel heißt wie "herfallen über", "sich stürzen auf", oder "anpöbeln". Mobbing beschreibt also den Prozess, bei dem Mitarbeiter oder Kollegen schikaniert oder belästigt werden, man sie beleidigt oder ausgrenzt. Dies muss dann aber häufig und wiederholt auftreten und sich über einen längeren Zeitraum erstrecken.
Hat Mobbing denn gesundheitliche Auswirkungen?
Ja. Logischerweise stellt man oft Anspannung, Nervosität, Kopfschmerzen oder Schlafstörungen bei Mobbing-Opfern fest. Sie reagieren oft früh mit klassischen Stresssymptomen: Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Einschlafstörungen, depressive Verstimmungen, Reizbarkeit, Nackenschmerzen, Konzentrationsmängel.. Eine Depression oder auch zwanghaftes Verhalten sind die Hauptsymptome. Diese Obsession führt zu der Tendenz, die eigene Mobbingsituation immer wieder zwanghaft zu erzählen. Dies ist also ein Alarmzeichen. Dabei muss man beachten, dass die Schmerzgrenze bei jedem Menschen unterschiedlich ist: was den einen schon sehr belastet, ist für den anderen noch nicht so schlimm.
- Welche Warnsignale sollte man beachten?
Häufig oder ständig niedergeschlagene Stimmung, wiederkehrende, unbegründete Angstzustände, Reizbarkeit und unbeherrschte Wutausbrüche, ständige Müdigkeit, Unfähigkeit zu ausdauernder Arbeit, Appetitlosigkeit, aber auch häufiges Kranksein ohne klare körperliche Ursache sollten einem zu denken geben.
- Ist die sogenannte Winterdepression tatsächlich eine ernstzunehmende Krankheit, oder handelt es sich um reine Einbildung?
Grundsätzlich: wenn ein Mensch leidet, sollte man das ernst nehmen, auch wenn zunächst keine körperliche Ursache dafür zu finden ist.
Wenn jemand z.B. depressiv ist, heißt das nicht, dass er sich einfach hängen lässt. Sprüche wie "komm, gib dir eine Ruck" bringen da in der Regel nichts, weil der Depressive eben keinen Antrieb hat. Auf diese Weise flößt man ihm nur Schuldgefühle ein, die die Situation möglicherweise noch verschlimmern. Auch die sogenannte Winterdepression ist nicht eingebildet. Sie wird meist durch eine Störung im Gleichgewicht der Botenstoffe im Gehirn verursacht. Wahrscheinlich spielt Lichtmangel ein Rolle. Ganz typisch ist hier die ständige Müdigkeit. Der Unterschied zu "echten Depressionen" liegt hier in der Dauer.
- Wo liegt der Unterschied zwischen einem Psychiater und einem Psychologen?
Kurz gesagt: ein Psychiater ist ein Arzt mit einer besonderen Ausbildung im Fachbereich Psychiatrie. Psychiatrie bedeutet "Seelenheilkunde", hat also nichts mehr mit den früheren sogenannten Irrenärzten gemeinsam.
Ein Psychologe dagegen ist jemand, der die Psychologie studiert hat, also die Wissenschaft vom Erleben und Verhalten der Menschen.
Ein Psychologe kann also keine Medikamente verschreiben, ein Psychiater schon. Beide können in der Psychotherapie tätig sein; in der Regel ist ihre Vorgehensweise aber unterschiedlich.