Der Wirtschafts- und Sozialrat (WSR)
Der Wirtschafts- und Sozialrat der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens ist eine Organisation der hiesigen Sozialpartner.
Er setzt sich zusammen aus 7 Vertretern der Arbeitgeberorganisationen (Allgemeiner Arbeitgeberverband, Mittelstandsvereinigungen St.Vith und Eupen), 7 Vertretern der Arbeitnehmerorganisationen (CSC, FGTB und CGSLB) und einem Präsidenten.
Entstehung
Der WSR wurde per Dekret des PDG vom 26. Juni 2000 geschaffen. Er tritt die Nachfolge des Subregionalen Ausschusses für Berufsausbildung und Arbeitsbeschaffung (SABA) an. Durch die zu Beginn 2000 erfolgte Übertragung der Ausübung der Kompetenz "Beschäftigung" von der Wallonischen Region an die DG verlor der SABA einen Teil seiner Existenzberechtigung, nämlich seine "subregionale" Rolle. Da die Deutschsprachige Gemeinschaft nunmehr autonom in Sachen "Ausbildung" und "Beschäftigung" wirkt, bot es sich an, auch ein eigenständiges Organ der sozialpartnerschaftlichen Konzertierung für unser Gebiet zu schaffen. Resultat ist die Schaffung des WSR, der sich konsequent in das "Belgische Modell" der Sozialkonzertierung einfügt.
Zielstellung und Aufgaben
Laut Dekret hat der Rat folgende Aufgaben:
- die Entwicklung der Ausbildung und Beschäftigung in der DG zu untersuchen,
- aus eigener Initiative oder auf Anfrage der Regierung der DG Gutachten zu Fragen der Ausbildung oder Beschäftigung zu erstellen,
- aus eigener Initiative oder auf Anfrage der Regierung Gutachten zu Erlassentwürfen sowie zu Dekretentwürfen und -vorschlägen zu erstellen, die Ausbildungs- und Beschäftigungsangelegenheiten betreffen,
- in Erwägung der vorgenannten Untersuchungen und Gutachten Handlungsempfehlungen zu formulieren.
Die Untersuchungen, Gutachten und Handlungsempfehlungen des Rates greifen insbesondere Aspekte der Arbeitsmarkt- und Wirtschaftspolitik, der Sozialkonzertierung, des Unterrichtswesens, des technologischen Wandels einschließlich der Neuen Medien, der nationalen und internationalen Politik, der Sozialpolitik und der umweltgerechten nachhaltigen Entwicklung auf, wenn diese für die Entwicklung der Ausbildung und Beschäftigung in der DG von Bedeutung sind.
Der Sozialdialog in der DG
Der WSR versteht sich vor allem als der Ort, wo der Sozialdialog in der Deutschsprachigen Gemeinschaft ganz konkret geführt wird. Die Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter der hiesigen Betriebe haben diese Plattform gewählt, um hier
- überbetriebliche Themen und Probleme zu diskutieren (wobei Ausbildungs- und Beschäftigungsfragen eine wesentliche, aber nicht ausschließliche Rolle spielen), nach Verbesserungen zu suchen und eine gemeinsame Position bzw. Handlungsgrundlage zu entwickeln,
- ihre gemeinsame Position gegenüber der Regierung zu definieren und als privilegierter Ansprechpartner in Ausbildungs- und Beschäftigungsfragen für die Regierung zu fungieren,
- Projekte und Untersuchungen durchzuführen, für die sie einen Bedarf in der DG entdeckt haben. Dabei arbeitet der WSR je nach Thematik mit einer ganzen Reihe von Partnern zusammen, etwa der ABEO, dem Arbeitsamt der Deutschsprachigen Gemeinschaft, dem Sonderausschuss für die besonderen Belange des deutschsprachigen Gebiets im CESRW, der Wirtschaftsförderungsgesellschaft, der Regierung (im Rahmen des GABB) und den Ministerien, dem IAWM, der Dienststelle für Personen mit Behinderung usw.
ABEO
Der WSR ist auch einer der fünf Träger der Arbeitsmarktbeobachtungsstelle Ostbelgien (ABEO). Ziel der ABEO ist die Publikation von statistischen Informationen im sozialen und wirtschaftlichen Bereich für Ostbelgien. Die Verwaltung des WSR führt das Sekretariat der ABEO, nimmt alle Anfragen entgegen und übernimmt einen Teil der Veröffentlichungen. Regelmäßige Veröffentlichungen zu Demographie, Beschäftigung, Arbeitslosigkeit, Selbständige, Pendler und vieles mehr sind hier erhältlich.